
Aceh, Indonesien: Unabhängigkeitsbestrebungen
Die Bestrebungen, unabhängig zu sein, zeichnen sich in der gesamten Geschichte Acehs ab. Schon im 17. und 18. Jahrhundert kam es zu ersten Kämpfen, die gerade im neuen Jahrtausend nun aber sehr blutig mit gewalttätigen Militäraktionen niedergeschlagen wurden. Unabhängigkeitsbestrebungen bestehen in Aceh nach wie vor aus folgenden Gründen:
- Schon immer wurde die Region unterdrückt und besaß zu wenig Möglichkeiten zur Selbstbestimmung. Die gesamte historische Entwicklung zeigt, dass Aceh sich zwar stets als eigene Nation betrachtet hat, sich aber nie durchsetzen konnte. Sowohl die Niederlande, als auch die Zentralregierung von Indonesien war hier ausschlaggebend.
- Die Bodenschätze sind in Aceh zwar reichlich vorhanden, allerdings bekommt die Bevölkerung nur einen Bruchteil der Erlöse zugschrieben. Nimmt man das Beispiel von Erdgas, so wurden zeitweise nur 5 Prozent der Erlöse weitergeleitet. Mit Ausarbeitung des Friedensplans von 2001 waren es immerhin schon 70 Prozent. Reichtum an Bodenschätzen und Armut der Bevölkerung stehen hier in krassem Gegensatz zueinander.
- Aceh ist bestrebt, unabhängig zu werden, weil es zwischen den Religionen Probleme gibt. So wird hier die Scharia angewendet, das strenge islamische Gesetz, im Gegensatz zum restlichen Indonesien.
- Auf Java leben so viele Menschen, wie auf keiner anderen Insel Indonesiens. Die Regierung schritt hier ein und siedelte viele Menschen zwangsweise in andere Regionen um. So kam es vielerorts zu heftigen Auseinandersetzungen mit der originären Bevölkerung.
Immer noch gibt es ein ausreichendes Konfliktpotential in der Provinz Aceh, so dass es immer wieder zu Unruhen kommt. Besonders hervorzuheben ist hier der letztgenannte Punkt in der eben erwähnten Liste. Im Rahmen des so genannten Transmigrasi-Programms wurden und werden immer noch Menschen umgesiedelt, was der einheimischen Bevölkerung aber missfällt. Im August 2005 wurde ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und der GAM unterzeichnet (Achinesische Befreiungsbewegung). Die GAM soll damit entwaffnet werden und es soll eine politische Partei entstehen. Die indonesische Armee hingegen soll sich im Gegenzug Schritt für Schritt aus der Provinz zurückziehen. Kämpfer der GAM wurden aus der Gefangenschaft entlassen und erhielten eine Amnestie.
Die Scharia hingegen ist der Punkt, der am häufigsten für Konflikte sorgt. Denn dieses islamische Recht ist mit einer massiven Einschränkung der Rechte der Menschen verbunden und viele Menschen aus der Bevölkerung begegnen der Sache mit großem Unmut. Frauen dürfen beispielsweise jetzt keine engen Hosen mehr tragen, wenn sie keinen Rock darüber ziehen, der mindestens knöchellang ist. Auch Paare, die nicht verheiratet sind, dürfen nicht mehr eng nebeneinander sitzen. Die Scharia-Polizei ist hier sehr streng.